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Pia Weßling

Dipl.-Soziologin

Handynutzung im Unterricht – verboten und doch Alltag

Bei meiner psychotherapeutischen Arbeit und im privaten Umfeld erlebe ich Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, ihre Mediennutzung zu regulieren. Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Motivationsverlust, sozialer Rückzug und ein Gefühl von innerer Unruhe gehören mittlerweile für viele junge Menschen und deren Eltern zum Alltag.

Einen großen Teil Ihrer Tageszeit verbringen die Jugendlichen in der Schule.Welche Rolle spielen aktuell die Schulen im Umgang mit digitalen Medien?

 

Die gesellschaftliche Debatte über Smartphone-Verbote und digitale Ablenkung wird immer intensiver. Die von der Familienministerin eingesetzte Kommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt hat gerade ein Gutachten dazu vorgelegt.

Zur gleichen Zeit habe ich an einer Schule im Umkreis von München erlebt, wie das Thema marginalisiert wird.

Gespräche mit SchülerInnen sowie mit Eltern ergeben hier: Während des Unterrichts werden soziale Medien genutzt, Videos angesehen, Nachrichten verschickt und Spiele gespielt. Nicht gelegentlich. Nicht als Ausnahme. Sondern regelmäßig.

 

Im Gespräch mit der Schulleitung wurde diese Wahrnehmung jedoch nicht geteilt. Die Digitalisierung werde erfolgreich umgesetzt, die schulischen Leistungen seien unauffällig und unverändert. Die Schülerinnen und Schüler seien kompetent im Umgang mit Medien.Ein systematisches Problem sei überhaupt nicht erkennbar. Ja, es gäbe wohl hin und wieder einen Verstoß gegen das Handybenutzungsverbot, der dann eben auch geahndet werde.

Daraus entstünde kein grundsätzlicher Handlungsbedarf. Pikant noch der Hinweis, man solle sein individuellen Problem doch bitteschön selbst mit dem eigenen Kind lösen.

 

Wie kann es sein, dass Eltern und Jugendliche von einer alltäglichen digitalen Parallelwelt im Klassenzimmer berichten, während dieselbe Realität von Teilen des Systems offenbar nicht wahrgenommen wird?

 

Wer heute Zeit mit Jugendlichen verbringt, weiß: TikTok, Instagram, Snapchat, YouTube und Onlinespiele konkurrieren permanent um Aufmerksamkeit. Die großen Plattformen investieren viel Geld in die Forschung und in die Entwicklung von Algorithmen, die NutzerInnen möglichst lange am Bildschirm halten sollen. Auch Erwachsene kämpfen täglich damit, sich diesen Mechanismen zu entziehen.

Warum sollte ausgerechnet ein 15-jähriger Jugendlicher in einer Mathematik- oder Geschichts-Stunde dazu problemlos in der Lage sein?

Die Vorstellung, Jugendliche könnten dies allein durch Eigenverantwortung regulieren, erscheint realitätsfern. Sie widerspricht dem, was wir aus der Entwicklungspsychologie, der Suchtforschung und der praktischen Arbeit mit Jugendlichen wissen.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Diskrepanz zwischen der Situation hier vor Ort und der Entwicklung in Deutschland und Europa.

Während an manchen Schulen noch darüber diskutiert wird, ob überhaupt ein Problem existiert, werden andernorts längst Konsequenzen gezogen. In Deutschland haben mehrere Bundesländer die private Smartphone-Nutzung an Schulen deutlich eingeschränkt oder Verbote eingeführt.

Auf europäischer Ebene ist die Entwicklung noch deutlicher. Eine aktuelle Analyse der Europäischen Union zeigt, dass mittlerweile zahlreiche Mitgliedstaaten umfassende Smartphone-Verbote oder strenge Einschränkungen während der Schulzeit eingeführt haben. Länder wie Frankreich, Italien, Österreich, Belgien oder Irland setzen auf klare Grenzen. Italien hat die Verbote zuletzt sogar auf die oberen Klassen ausgeweitet. Hintergrund sind Sorgen um Konzentration, Lernleistung, psychische Gesundheit und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

 

Warum fällt es manchen Schulen so schwer, die Realität der zwar unerlaubten, aber faktisch vorhandenen Nutzung anzuerkennen? Warum werden die zwar vielfach aufgeschriebenen Nutzungsverbote nicht mit Ernsthaftigkeit umgesetzt. Etwa durch das Wegschließen der Geräte oder das grundsätzliche Verbot, Smartphones überhaupt mit in die Schule zu bringen.

 

Natürlich geht es nicht darum, digitale Technologien zu verteufeln. Tablets, Lernplattformen und passende Apps können den Unterricht bereichern. Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation unserer Zeit.

Aber Medienkompetenz bedeutet nicht, Jugendlichen jederzeit und überall unkontrollierten Zugang zu den stärksten Aufmerksamkeitsmaschinen der Menschheitsgeschichte zu gewähren.

Wenn Jugendliche während des Unterrichts auf Social Media unterwegs sind oder zocken, dann handelt es sich nicht um Digitalisierung. Es handelt sich um Ablenkung.

 

Kinder und Jugendliche brauchen digitale Kompetenzen.

Sie brauchen aber auch Erwachsene, die bereit sind, Grenzen zu setzen.

Und sie brauchen SchulleiterInnen, die hinsehen und die Verantwortung gemeinsam mit den Eltern tragen.


 
 

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aus einem Leitartikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 25.6.2026: „Man stelle sich vor, es wäre anders gelaufen und man hätte den Eltern Folgendes ausgemalt: Es gibt da eine neue Technik. Diese mac

 
 
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