Selbsthilfe durch Focusing – auf die innere Stimme hören
- Pia Weßling
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Focusing (auch „Fokussieren“) ist eine von dem Psychotherapeuten und Philosophen Eugene Gendlin entwickelte Methode der Selbstwahrnehmung. Sie hilft dabei, mit den eigenen Gefühlen, inneren Konflikten und unausgesprochenen Bedürfnissen in Kontakt zu kommen.
Die Grundidee: Oft wissen wir bereits mehr über eine Situation, als wir bewusst in Worte fassen können. Dieses implizite Wissen zeigt sich häufig als ein körperlich spürbares Gefühl – ein diffuses Unbehagen, eine Enge, ein Druck oder eine andere Empfindung. Im Focusing wird diesem Erleben achtsam Aufmerksamkeit geschenkt, ohne es vorschnell zu analysieren oder zu bewerten.
Wann kann Focusing hilfreich sein?
Focusing kann unterstützen bei:
schwierigen Entscheidungen,
belastenden Gefühlen,
wiederkehrenden Konflikten,
Stress und Überforderung,
dem Wunsch nach innerer Klarheit.
Es ersetzt keine Psychotherapie, wird aber von mir im Rahmen der Therapie angewendet. Focusing hat seinen Platz in der klientenzentrierten Gesprächstherapie und der emotionsfokussierten Therapie.
Wie können Sie Focusing anwenden?
1. Einen Moment innehalten
Suchen Sie sich einen ruhigen Ort und nehmen Sie sich einige Minuten Zeit. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen und fragen Sie sich:
„Wie geht es mir gerade mit diesem Thema?“
2. Das Körpergefühl wahrnehmen
Achten Sie darauf, welche Empfindung sich zeigt. Vielleicht bemerken Sie eine Anspannung im Brustkorb, einen Kloß im Hals oder ein schwer zu beschreibendes Gefühl im Bauchbereich.
Versuchen Sie nicht, es zu verändern. Nehmen Sie es einfach wahr.
3. Einen Ausdruck finden
Gibt es ein Wort, ein Bild oder eine Beschreibung, die zu diesem Gefühl passt? Versuchen Sie, tatsächlich Worte zu finden, gehen Sie nicht einfach ungenau darüber hinweg. Probieren Sie verschiedene Formulierungen aus, bis es sich richtig anfühlt.
Zum Beispiel:
„wie festgefahren“
„unter Druck“
„wie ein Knoten“
„unsicher“
4. Nachspüren
Prüfen Sie, ob der gefundene Ausdruck wirklich zu dem Körpergefühl passt. Oft entsteht dabei ein Gefühl von Stimmigkeit.
5. Offen fragen
Fragen Sie das Gefühl behutsam:
„Was möchte mir dieses Gefühl zeigen?“„Was ist hier besonders wichtig?“„Was bräuchte ich gerade?“
„Wie fühlt es sich an, darüber nachzudenken?“
Lassen Sie die Antwort kommen, statt aktiv nach ihr zu suchen.
6. Wertschätzend abschließen
Bedanken Sie sich innerlich für das, was sich gezeigt hat – auch wenn noch keine vollständige Lösung sichtbar ist. Häufig entsteht bereits durch das achtsame Zuhören mehr Klarheit und Entlastung.
Focusing als Haltung
Focusing ist weniger eine Technik als eine Haltung: die Bereitschaft, dem eigenen Erleben aufmerksam, neugierig und freundlich zu begegnen. Oft entstehen neue Einsichten nicht durch intensives Nachdenken, sondern indem wir dem, was in uns bereits vorhanden ist, Raum geben.
Manchmal genügt es, einige Minuten still zuzuhören. Die nächsten Schritte zeigen sich dann oft von selbst.