Wie läuft eine Psychotherapie ab?
- Pia Weßling
- 12. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Der Gedanke, eine Psychotherapie zu beginnen, löst bei vielen Menschen gemischte Gefühle aus. Vielleicht spüren Sie Erleichterung, endlich Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Vielleicht fragen Sie sich aber auch, was Sie erwartet und ob ein fremder Mensch wirklich verstehen kann, was Sie bewegt.
Wie ist das so? Was erwartet mich eigentlich in einer Therapiesitzung? Muss ich gleich alles erzählen?
Wenn Sie solche Fragen haben, sind Sie damit nicht allein. Die meisten Menschen betreten den therapeutischen Raum nicht absolut selbstsicher und klar, sondern mit dem Gefühl, dass sie mit bestimmten Belastungen, Konflikten oder Lebensfragen nicht länger allein bleiben möchten.
Der erste Schritt: Ankommen und erzählen dürfen
Im ersten Gespräch geht es zunächst darum, dass Sie ankommen können.
Sie erzählen so viel, wie Sie möchten, über das, was Sie zu mir führt. Vielleicht gibt es eine aktuelle Krise, eine belastende Beziehung, Ängste, Erschöpfung oder das Gefühl, immer wieder in ähnliche Muster zu geraten. Manchmal können Menschen ihre Situation sehr klar beschreiben. Manchmal wissen sie nur, dass etwas nicht stimmt.
Beides ist vollkommen in Ordnung.
Meine Aufgabe ist es, Ihnen aufmerksam zuzuhören, die wesentlichen Zusammenhänge zu erfassen und gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was Sie im Moment brauchen. Sie müssen nicht die richtigen Worte finden oder Ihre Probleme besonders gut erklären können.
Oft ist es bereits entlastend, mit jemandem zu sprechen, der wertfrei zuhört und versucht zu verstehen, wie sich die Welt aus Ihrer Perspektive anfühlt.
In der Regel biete ich vorab einen Fragebogen an, den Sie ausfüllen können – ganz, in Teilen oder auch gar nicht. Manche Menschen füllen gerne Fragebogen aus und empfinden das auch bisweilen als hilfreich zur Strukturierung. Manche mögen das gar nicht. Das ist ebenfalls vollkommen in Ordnung.
Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit
Psychotherapie ist für mich kein Verfahren, das an Menschen angewendet wird. Sie ist eine Zusammenarbeit zwischen zwei Menschen.
Deshalb ist mir wichtig, dass Sie sich mit Ihren Gedanken, Gefühlen und Fragen ernst genommen fühlen. Vertrauen lässt sich nicht einfach einschalten. Es entsteht Schritt für Schritt, wenn man die Erfahrung macht, gehört und verstanden zu werden.
Genauso wichtig ist, dass Sie prüfen können, ob Sie sich bei mir wohlfühlen. Eine gute therapeutische Beziehung ist einer der wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Therapie.
Gemeinsam verstehen, was hinter dem Leidensdruck steht
Hinter belastenden Symptomen steckt häufig mehr als das, was auf den ersten Blick sichtbar ist.
Ängste, Erschöpfung, Selbstzweifel, Beziehungsprobleme oder innere Unruhe haben oft eine Geschichte. Im therapeutischen Prozess schauen wir gemeinsam darauf, welche Erfahrungen, Überzeugungen und Beziehungsmuster Ihr Erleben beeinflussen.
Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu suchen. Vielmehr interessiert uns, wie bestimmte Muster entstanden sind und ob sie heute noch hilfreich sind.
Viele Menschen erleben es als befreiend, wenn sie beginnen, sich selbst besser zu verstehen und mit mehr Mitgefühl auf ihre eigene Geschichte zu blicken.
Wie läuft eine Therapiesitzung ab?
Jede Sitzung orientiert sich an dem, was Sie aktuell beschäftigt.
Manchmal sprechen wir über konkrete Ereignisse oder Konflikte. Manchmal stehen Gefühle im Vordergrund, die schwer zu greifen sind. In anderen Sitzungen geht es um Entscheidungen, Beziehungen oder wiederkehrende innere Muster.
Oftmals ist es wichtig sich auch mit der eigenen Familiengeschichte und dem Aufwachsen zu beschäftigen. Wir nehmen uns dann Zeit ausführlich über die Eltern, Geschwister, die Situation in der Kernfamilie und Kindheit und Jugend zu sprechen.
Neben dem Gespräch arbeite ich – wenn es hilfreich erscheint – auch mit Entspannungstechniken und erläutere Methoden für den Alltag. Wir üben dann auch kurze Interventionen ein, die Sie im Alltag selbst anwenden können.
Die Verhaltenstherapie bildet die Grundlage meiner Arbeit. Gleichzeitig nutze ich Erkenntnisse und Methoden aus anderen therapeutischen Ansätzen, wenn sie für den jeweiligen Menschen hilfreich erscheinen. So entsteht eine individuelle, auf Ihre persönliche Situation zugeschnittene Behandlung. Dabei fließen unter anderem Elemente der Schematherapie, der emotionsfokussierten Psychotherapie und bewährte Entspannungstechniken in die Therapie ein.
Muss ich über alles sprechen?
Nein.
Sie bestimmen jederzeit selbst, worüber Sie sprechen möchten und was Sie lieber (noch) für sich behalten.
Es gibt keine Verpflichtung, intime oder schmerzhafte Erfahrungen preiszugeben, bevor Sie dazu bereit sind.
Meine Erfahrung ist, dass sich schwierige Themen meist von selbst zeigen, wenn genügend Sicherheit entstanden ist. Sie geben das Tempo vor.
Wie lange dauert eine Psychotherapie?
Jeder Mensch bringt seine eigene Geschichte und seine eigenen Ziele mit.
Manche Menschen suchen Unterstützung in einer akuten Belastungssituation. Andere möchten langjährige Muster verstehen und nachhaltig verändern. Deshalb lässt sich die Dauer einer Therapie nicht pauschal vorhersagen.
Wichtig ist mir, dass wir regelmäßig gemeinsam schauen, wo Sie stehen, welche Veränderungen bereits spürbar sind und welche nächsten Schritte sinnvoll erscheinen.
Sich Unterstützung zu holen ist ein Zeichen von Stärke
Viele Menschen warten lange, bevor sie sich an eine Psychotherapeutin wenden. Oft versuchen sie zunächst, allein zurechtzukommen.
Das ist verständlich. Gleichzeitig erlebe ich immer wieder, wie entlastend es sein kann, schwierige Themen nicht mehr allein tragen zu müssen.
Psychotherapie bedeutet nicht, dass mit Ihnen etwas nicht stimmt. Sie ist eine Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen, neue Perspektiven zu entwickeln und Wege zu finden, mit Belastungen konstruktiver umzugehen.
Wenn Sie überlegen, eine Therapie zu beginnen, lade ich Sie herzlich ein, Kontakt mit mir aufzunehmen. In einem Telefonat bekommen Sie einen ersten Eindruck, ob es zwischen uns passen kann. Dann vereinbaren wir einen ersten Gesprächstermin.
Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.