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Pia Weßling

Dipl.-Soziologin

Psychotherapie bei Kinderwunsch: Warum Begleitung während IVF- und ICSI-Behandlungen sinnvoll sein kann

20. Aug.
3 Min. Lesezeit

Eine Kinderwunschbehandlung ist eine medizinische, körperliche Behandlung. Und sie ist mehr als das: Sie berührt auch einen sehr persönlichen Lebensbereich mit weitreichenden Auswirkungen. Deshalb kann eine Kinderwunschbehandlung psychisch ausgesprochen belastend sein.

Mit Beginn einer Inseminationsbehandlung, IVF oder ICSI verändert sich für viele Frauen und Paare der Alltag. Termine, Untersuchungen und Medikamente bestimmen zunehmend den Rhythmus. Dazu kommen Hoffnungen und Erwartungen, aber auch Unsicherheit und die Erfahrung, wesentliche Dinge nicht selbst beeinflussen zu können.

 

Durch psychotherapeutische Begleitung besser mit der Belastung zurechtkommen

Am besten nicht erst dann, wenn es einem schlecht geht. Gerade vor oder zu Beginn einer Kinderwunschbehandlung kann es hilfreich sein, sich mit den eigenen Erwartungen und Befürchtungen auseinanderzusetzen.

Wie viel Hoffnung setze ich in die Behandlung? Wo liegen meine persönlichen Grenzen? Wie gehen mein Partner und ich damit um, wenn wir unterschiedlich zuversichtlich oder unterschiedlich belastet sind? Und was brauche ich, um die kommenden Wochen möglichst gut zu bewältigen?

Auch frühere Schwangerschaftsverluste, Ängste vor medizinischen Eingriffen oder die Frage, wie viele Behandlungsversuche man sich vorstellen kann, können eine Rolle spielen.

 

Stimulation: Wenn man vor allem noch „funktioniert“

Während der Stimulationsphase erleben viele Patientinnen einen dicht getakteten Alltag aus Medikamenteneinnahme, Kontrollterminen und organisatorischen Anforderungen. Körperliche Beschwerden und Hormonschwankungen können hinzukommen. Nicht selten werden eigene Gefühle und Bedürfnisse in dieser Zeit zurückgestellt – zunächst muss die Behandlung funktionieren.

Psychotherapeutische Begleitung schafft hier einen Raum außerhalb des medizinischen Ablaufs. Es kann darum gehen, Anspannung und Überforderung wahrzunehmen, mit Ängsten umzugehen und ganz praktische Strategien für den Alltag zu entwickeln. Entspannungs- und Achtsamkeitsverfahren können dabei ebenso hilfreich sein wie stabilisierende Gespräche oder das bewusste Aktivieren eigener Ressourcen.

 

Die schwierige Zeit des Wartens

Besonders belastend wird häufig die Zeit nach dem Embryotransfer bis zum Schwangerschaftstest erlebt. Medizinisch ist zunächst wenig zu tun. Psychisch passiert dagegen oft sehr viel.

Hoffnung und Angst wechseln sich ab. Körperliche Veränderungen werden genau beobachtet und interpretiert. Gedanken kreisen um die Frage, ob es diesmal geklappt haben könnte. Gerade weil das Ergebnis nicht aktiv beeinflusst werden kann, kann ein starkes Gefühl von Kontrollverlust entstehen.

In dieser Phase kann Psychotherapie helfen, Grübelschleifen und ständiges Beobachten des Körpers zu reduzieren, den Alltag wieder stärker in den Blick zu nehmen und einen Umgang mit der Unsicherheit zu finden.

 

Und wenn es nicht geklappt hat?

Ein negativer Schwangerschaftstest oder ein Fehlversuch ist nicht einfach nur ein medizinisches Ergebnis. Er kann Trauer, Enttäuschung, Wut, Schuldgefühle, Scham oder Selbstzweifel auslösen. Gleichzeitig steht häufig schon die nächste schwierige Frage im Raum: Weitermachen? Noch einmal versuchen? Eine Pause einlegen? Oder sich mit anderen Wegen beschäftigen?

Auch innerhalb einer Partnerschaft müssen beide nicht dasselbe fühlen. Menschen gehen unterschiedlich mit Enttäuschung und der erlebten Ohnmacht um. Während einer reden möchte, zieht sich der andere vielleicht zurück. Einer möchte möglichst schnell einen neuen Versuch beginnen, während der andere zunächst Abstand braucht. Wer tröstet eigentlich wen und wie?

Psychotherapeutische Begleitung kann helfen, diese Reaktionen einzuordnen, miteinander im Gespräch zu bleiben und Entscheidungen nicht ausschließlich aus der akuten Enttäuschung heraus treffen zu müssen.

 

Psychotherapie als Begleitung – nicht als zusätzliche Aufgabe

Eine Kinderwunschbehandlung muss nicht automatisch psychotherapeutisch begleitet werden. Aber es kann entlastend sein, in besonders schwierigen Phasen eine professionelle Ansprechpartnerin zu haben.

Dabei geht es nicht darum, ständig über den Kinderwunsch zu sprechen oder die Behandlung psychologisch zu „optimieren“. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage: Was hilft mir – oder uns als Paar –, psychisch möglichst gut durch diese Zeit zu kommen?

Psychotherapeutische Begleitung kann deshalb auch zeitlich begrenzt und gezielt entlang einzelner Behandlungsphasen stattfinden. Ziel ist es, emotionale Überforderung frühzeitig aufzufangen, Selbstwirksamkeit und Bewältigungsmöglichkeiten zu stärken und auch für Themen Raum zu schaffen, die im medizinischen Behandlungsalltag verständlicherweise oft zu kurz kommen.

In meiner Praxis begleite ich Frauen und Paare während Inseminationsbehandlungen, IVF und ICSI einfühlsam und kompetent in Einzel- oder Paargesprächen.

Die Begleitung kann in der Praxis oder online stattfinden. Termine sind auch kurzfristig innerhalb einer laufenden Behandlung möglich.

 

 
 

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