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Pia Weßling

Dipl.-Soziologin

Einfach mal krank sein – ohne Selbstoptimierung

7. Okt.
1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Okt.

Die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf brummt. Wir haben eine Erkältung – oder, etwas medizinischer: einen grippalen Infekt.

Das passiert den meisten von uns öfter. Ein- bis viermal im Jahr sagt google. Hochgerechnet auf ein ganzes Leben also eine große Zahl, sagen wir einfach mal: 250 Erkältungen für jede Person. Wir haben also Erfahrung damit.

Und wenn es sich nicht gerade um den „Männerschnupfen“ handelt, kommen wir meistens zurecht damit. Denn eine Erkältung geht von selbst wieder weg. Das körpereigene Immunsystem bekämpft die Viren, wir fühlen uns ein paar Tage elend – und dann ist alles wieder gut.

Doch sobald jemand mitbekommt, dass ich erkältet bin, ändert sich etwas. Plötzlich gibt es erstaunlich viel zu tun.

Hast du schon inhaliert? Ingwertee getrunken? Zitrone? Vitamine? Rotlicht? Nasendusche? Akupressur? Medikamente? Viel trinken! Früh schlafen!

Alles sehr nett und doch auch herausfordernd.

Bei mir entsteht ein merkwürdiges Gefühl: Leiste! Tu etwas! Kümmere dich! Du bist verantwortlich dafür, möglichst schnell wieder gesund zu werden.

Selbst eine gewöhnliche Erkältung wird so ein bisschen zum Optimierungsprojekt.

Dabei möchte ich manchmal einfach nur krank sein dürfen.

Mich aufs Sofa legen. Tee trinken, wenn ich Lust darauf habe. Nichts müssen. Meinem Körper zutrauen, dass er das regelt.

Vielleicht müssen wir nicht immer alles verbessern, behandeln, beschleunigen oder optimieren. Manches darf auch einfach seinen Lauf nehmen.

Und manchmal tut Nichtstun einfach gut.

 
 

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